Heute möchte ich euch eine Seite vorstellen zu einem Thema, das eigentlich gar nicht so richtig in diesen Blog hier passt. Auf just-one.org berichtet der Ire Declan Murphy von seiner Arbeit mit den Straßenkindern in Kathmandu. Das Besondere an seiner Arbeit ist, dass er direkt mit den Kindern, deren Eltern und den lokalen Behörden zusammenarbeitet. Dabei versucht er, mit wenigen Mitteln aber viel Engagement das Beste aus der Situation zu machen, die für viele Kinder in Nepal und besonders in Kathmandu alles andere als rosig aussieht. Aber jetzt nochmal von vorne.
Als ich dieses Jahr in Nepal war, haben mich die Zustände dort doch sehr bewegt. In einem Land, das seit Jahrzenten mehr und mehr Touristen anzieht, hätte ich im Jahr 2009 wesentlich mehr politische und soziale Stabilität erwartet. Das war sicherlich etwas naiv. Sogar in der Hauptstadt Kathmandu mit ca. 1 Mio. Einwohnern mangelt es an allem. Marode oder fehlende Infrastruktur, ständige Stromausfälle, Frischwassermangel, übler Smog, Chaos und ohrenbetäubender Lärm auf den Straßen bestimmen hier das Leben der meisten Menschen. Arbeit ist kaum vorhanden, Industrie sucht man vergeblich im ganzen Land. Strom wird durch Wasserkraft erzeugt, doch die Staumauern sind zum Teil defekt. Und welche Industrie sollte sich hier auch ansiedeln, welcher Investor investieren, in einem Land, in dem die Maoisten die stärkste politische Kraft darstellen? Korruption ist an der Tagesordnung und die Landbevölkerung wird von den Maoisten heute noch durch Schutzgelderpressungen drangsaliert. Das Monatseinkommen eines Grundschullehrers beträgt ca. 50 Euro, aber ein Liter Benzin kostet bereits 70 Cent. Die Schulgebühren fangen bei 18 Euro pro Monat an und kennen nach oben keine Grenzen.
In diesem Land muß sich jeder selber helfen, sonst hilft da keiner. Das bekommt man auch als durchreisender Tourist recht schnell mit. Doch wie kann man denn Helfen? Almosen zustecken? Aber was bringt das schon, außer einem trügerisch guten Gefühl?
Solche Gedanken gingen mir durch den Kopf, als wir von Declan und seiner Arbeit gehört haben. Es gibt in den meisten Dritte-Welt-Ländern Straßenkinder, die sich durch Kriminalität, Prostitution und Drogen über Wasser halten. Aber in Kathmandu findet man sie schon im Alter von 7 Jahren! Hilft man ihnen, wenn man ihnen etwas Geld oder Essen zusteckt?
Das ist der Punkt an dem Declan ansetzt. Nimm den Kindern die Anreize auf der Straße zu bleiben und biete ihnen eine Alternative, eine echte Chance. Nutze dabei alle Möglichkeiten, die sich durch die Einbeziehung von Eltern und lokalen Behörden bieten und versucht ihnen zu geben was sie brauchen, um in diesem harten Umfeld zu bestehen. Schaut euch seine Seite einfach mal in Ruhe an.
Ich bin froh, dass ich am Ende hier eine Möglichkeit gefunden habe, über die Unterstützung von Just-One dem Land und seinen Menschen wieder etwas zurückgeben zu können. Sicher, ich beruhige hier auch nur mein Gewissen und es ist auch meist einfacher, etwas Geld zu geben, anstatt selber vor Ort die Ärmel hochzukrempeln. Ich habe großen Respekt vor den Menschen, die das Leisten. Ich selber zähle leider nicht zu ihnen. Doch so habe ich immerhin den Eindruck, dass ich hier nachhaltige Hilfe mit ermögliche, anstatt im Gegenteil durch Almosen Anreize dafür zu schaffen, erst recht auf der Straße zu bleiben.
Was meint Ihr?