Der Kaffee im Jesus Martin in Salento bringt Gesichter zum Leuchten. Auch im Kaffeedreieck Kolumbiens ist hervorragender Kaffee weder selbstverständlich noch überall zu haben. Auch wenn man eine richtige Kaffeekultur im Land des Kaffees vermisst, vor einer Nescafe-Unkultur wie in Brasilien braucht man sich hier zum Glück nicht zu fürchten.
Wir besuchen eine Kaffee-Finca und schauen uns den Prozess der Kaffeeerzeugung an. Die frisch geschälte Frucht enthält zwei Bohnen, die von einer süßen Schicht ummantelt sind. Schmeckt fast wie Litschi. Es gibt vier Ernten im Jahr, die überwiegend von Saisonarbeitern bewältigt werden. Ein Kilo Kaffee bringt dem Arbeiter 300 Pesos ein. 2300 Pesos entsprechen derzeit einem Euro. Ein mühsames Geschäft denkt man sich, aber bis zu 50 Euro Tagesverdienst sind sehr attraktiv und locken viele helfende Hände an.
Neben den Kaffee-Büschen prägen kleine Bambuswäldchen das Landschaftsbild. Die Bäume füllen sich tagsüber fast vollständig mit Wasser, das sie nachts wieder über ihre Wurzeln abgeben. Die beste Erntezeit ist um 4 Uhr morgens, da sie dann praktisch leer sind. Aus der Erfahrung zurückliegender Erdbeben hat man gelernt, Bambus wieder vermehrt als Baumaterial zu verwenden. Bambus wächst bis zu 15cm am Tag, ist äußerst belastbar und reichlich verfügbar.
Genug Bildung. Ich klinke mich aus und lasse mich im Pool treiben.
Wir sind auf der Suche nach einem ursprünglichen Dorf der Region und schrauben uns über steile Serpentinen in die Berge hoch. In den Alpen würde man hierzu Panoramastraße sagen, hier ist es einfach eine Straße von vielen. Unter uns liegen satte grüne Täler mit Kaffeefeldern und Bambuswäldchen. Wir können uns kaum satt sehen. Schließlich erreichen wir Marsella. Im Casa del cultura an der Dorfplaza (diesmal eine ohne Souveniershops) werden wir herzlich von ein paar Teenies empfangen, die sich uns für eine kleine Führung anbieten. Das Kulturhaus ist ein Sozialprojekt, das erfolgreich die Kinder des Orts von der Straße holt .Hier kann man Instrumente spielen lernen. Ein Mächchen zupft ihren Bass in einer Ecke, ein Junge übt auf seinem Schlagzeug und in einem Saal spielt ein ganzes kleines Sinfonieorchester wild durcheinander. Wir trinken an der Dorfplaza einen Kaffee (die Tasse kostet nur noch 500 Pesos) und machen uns auf den Rückweg.
Es ist 6 Uhr morgens. Jesus und Orphelia winken zum Abschied. Heute fliegen wir über Bogota weiter in die Karibik. Dort ist es schwül und heiß. Der Regen begleitet uns. In Santa Marta scheint man die Bausünden anderer Länder nicht zu fürchten. Erste Hochhäuser am Strand sind fertiggestellt, weitere im Bau. Es ist Wochenende. Viele dunkelhäutige Kolumbianer sind am Strand und genießen die freie Zeit.
Wir wohnen in Taganga, einem alten Fischerdorf. Man merkt, dass der Lonely Planet diesen Ort empfielt. Soviele Backpackers wie hier haben wir auf der ganzen Reise noch nicht gesehen. In der Karibik werden wir uns daran gewöhnen müssen, nicht mehr die einzigen Touristen zu sein. Lange werden wir hier nicht bleiben.
Am Abend hat Tony wieder eine Überraschung vorbereitet. Eine Chiva holt uns ab, ein kleiner, alter, bunt bemalter Bus, dessen vier Bänke seitlich von außen bestiegen werden. Gesteuert wird das Gefährt von einer hübschen, jungen Chica. Auf die hinteren zwei Bänke hat sich Calixto mit seiner Vallenato-Combo gezwängt. Die Fünf bearbeiten wie von Sinnen Bongos, Ratsche und Ziehharmonika und singen sich bei ohrenbetäubender Musik die Seele aus dem Leib. Der Fahrtwind verschafft durch die glaslosen Fenster etwas Kühlung. Die Stimmung kocht, könnte besser nicht sein. Tony singt mit. Lieder, die sein Vater und sein Großvater schon gesungen haben. Es fließt flaschenweise Rum. Der Bus zieht seine Kreise durch Santa Marta. Nach vielen Runden steigen wir an der Strandpromenade zusammen mit den Musikern aus und feiern dort weiter. Mehr und mehr Leute bleiben stehen, wünschen sich Lieder oder singen mit. So feiert man in der Karibik!
Ausgeschlafen geht es weiter in den Tayrona National Park. Die Sonne scheint brennend heiß, steht senkrecht über uns. Man läuft auf seinem eigenen Schatten. Es regnet viel in diesen Tagen und der Weg durch den Dschungel ist völlig im Schlamm begraben. Wir sehen riesige Schmetterlinge und noch größere Heuschrecken. Aber zum Glück keine Schlangen. Irgendwann erreichen wir in sengender Hitze das Meer. Die Strömung ist an diesem Strand tödlich. Über 200 Menschen haben das Bad in den Fluten bereits mit dem Leben bezahlt. Weiter westlich ist das Meer gnädiger und der Strand noch schöner. Wir trauen uns ins Wasser und liegen unter Palmen. Pünktlich zum Nachmittag bereitet ein sintflutartiger Regen mit krachendem Gewitter ein lustvolles Vergnügen. Endlich etwas Abkühlung! Die Kokospalmen wiegen sich schwer im Wind. Der Weg verwandelt sich in einen Sturzbach. Es wird schnell dunkel. Die kleinen Äffchen sind vor dem Gewitter geflohen. Die riesigen Ameisen haben sich in Sicherheit gebracht. Völlig durchnäßt erreichen wir unsere Hamakas, unsere Hängematten, bei Yuluka. Blitze krachen in rascher Folge. Einer trifft den Sendemast, wir sind nun von der Außenwelt abgeschnitten und das Bezahlen des Abendessens per Kreditkarte wird zum Ereignis. Man klettert bei Nacht über Felsen bis man schließlich ein schwaches Sendesignal einer entfernten Station empfängt. Der Regen hört irgenwann wieder auf und die Frösche kommen aus ihren Löchern. Sie machen Geräusche wie die Laserkanonen in Starwars. Es hört sich an, als wäre man in einer Spielhalle. Sobald man sich ihnen nähert, halten die kleinen Kameraden gespannt die Luft an und warten verängstigt. Erst nach und nach werden sie mutiger, bis man wieder von allen Seiten mit biu-biu-biu “beschossen” wird. Unter dem Quaken und Zirpen und dem Rauschen des Meeres schlafen wir müde ein.
Der nachmittägliche Regen wird zu einem zuverlässigen Begleiter. Der Boden kann keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen und auch die Luft ist völlig gesättigt. Nichts trocknet mehr und selbst was trocken war wird klamm. Ein Regenschirm ist Gold wert. Der Regenschutz meiner Kameratasche hat sich nicht bewährt. Kamera und Objektive tropfen naß. Ich tropfe auch, aber das gehört in den Tropen dazu. Wenn es nicht regnet brennt die Sonne. Wir entschließen uns zu einem Pueblito, einem Kogui Dorf, zu wandern. Der Weg ist das Ziel, denn das Dörfchen mit seinen zwei Familien ist wie ausgestorben als wir es nach zwei Stunden über Stock und Stein schließlich völlig erschöpft erreichen. Nur ein kleines Kind empfängt uns schüchtern. Wir wandern zurück und erreichen nach 1 1/2 Stunden den ersehnten Strand von Cabo San Juan. Das Bad im fast 30 Grad warmen Wasser entschädigt für die Strapazen. Wir sind hier nicht alleine, der Strand ist bei den Reisenden sehr beliebt. Es gibt immer wieder Menschen, die sich für ein Nickerchen unter Kokospalmen legen ohne sich dabei zu fragen, warum sie umgeben sind von fußballgroßen Kokosnüssen.
Diesmal gehen wir vor dem Gewitter zurück nach Yuluka. Die Vorfreude auf unsere für die nächste Nacht gebuchte Cabana treibt uns an. Sanitärer Luxus und weiche Betten in einer eigenen Hütte. Nachdem wir am Strand ein letztes Mal einen kleinen hüfttiefen Fluß durchquert haben erfahren wir, dass sich in dessen trüben Wasser ein 2 Meter großer Kaiman tummelt. Um das Salzwasser zu meiden und um nicht ins Meer hinaus gespült zu werden, hält er sich aber eher auf der Landseite auf. Man sollte den Fluß also auf der meernahen Seite durchqueren. Gut zu wissen. Bisher gab es hier aber noch keine Unfälle.
Ein letztes Mal haben wir jetzt den schlammigen Dschungel durchkämpft. Genug Boot-Camp. Nun sitzen wir in Tonys klimatisiertem Mini-Van auf dem Weg nach Cartagena. Wir sind bereit für neue Eindrücke.