Samstag, 4. September 2010 von
Tobias
Wir sind zurück im Kühlschränkchen, wie die in 2640m Höhe gelegene Hauptstadt Bogota bei den Kolumbianern gerne genannt wird. Hier begann die Reise vor zwei Wochen, die eine Ewigkeit zu überspannen scheinen.
Eine letzte Ajiaco Suppe (eine Art Kartoffelsuppe mit Hühnchen, Avocado, Mais und Reis) im Mama Lupe, ein letzter Cocktail im Sanalejo. Wir denken zurück an den großartigen Ausflug ins Andres Carne de Res, das uns schon am ersten Abend einen Vorgeschmack auf die hervorragende Küche und unvergeßliche Feierlaune der Kolumbianer gegeben hat. Ich hielt es nicht für möglich, dass die 8 Millionen Bogotaner jeden Sonntag ihre Hauptverkehrsstraße sperren, um dort Rad zu fahren und Sport zu treiben! (Und wir mit dem Rad natürlich mittendrin.) Ein Goldmuseum, das den internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Die vielen Studenten. Der Blick vom Monserrate.
Aber auch: der Benzingeruch und Smog! Eine schier unendliche Buskette im täglichen Feierabendstau. Die hupenden und blinkenden Autos auf den Straßen. Ein abgerissener Bettler, der seine wenige Habe auf einer Holzpalette hinter sich herschleift. Der alte Mann, der im Eingang eines Geschäfts durch schrecklichen Karaoke-Gesang vergeblich Kunden anzulocken hofft.
Wir wollen nachsichtig sein mit dieser großen Stadt, die noch viel vor sich hat, in der die Straßen aufgerissen sind und Baustellen allerorts für ein noch größeres Verkehrschaos sorgen.
Wird uns das Taxi morgen früh finden, inmitten dieses Wirrwars von Einbahnstraßen und Baustellen? Wir werden sehen.
Freitag, 3. September 2010 von
Tobias
Am Abend vor der tödlichen Schlacht schaut Don Blas de Lezo ein letztes Mal aufs Meer. 186 englische Kriegsschiffe mit 25000 Soldaten bilden eine bedrohliche Kulisse vor den Mauern von Cartagena. Wir schreiben das Jahr 1741. Die Englische Übermacht ist so siegessicher, dass Admiral Edward Vermont Münzen prägen ließ, die Don Blas de Lezo kniend vor ihm zeigen – geschlagen und um Gnade flehend. Die Spanische Obrigkeit hat ihm, dem Mediohombre, dem halben Mann, das Komando über die verbliebenen 3000 schlecht ausgerüsteten spanischen Soldaten übertragen. Frühere Kämpfe kosteten ihm bereits ein Auge, einen Arm und ein Bein. Es soll seine letzte große Schlacht werden, in deren Folge er auch sein zweites Bein und wenig später sein Leben verliert.
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Dienstag, 31. August 2010 von
Tobias
Der Kaffee im Jesus Martin in Salento bringt Gesichter zum Leuchten. Auch im Kaffeedreieck Kolumbiens ist hervorragender Kaffee weder selbstverständlich noch überall zu haben. Auch wenn man eine richtige Kaffeekultur im Land des Kaffees vermisst, vor einer Nescafe-Unkultur wie in Brasilien braucht man sich hier zum Glück nicht zu fürchten.
Wir besuchen eine Kaffee-Finca und schauen uns den Prozess der Kaffeeerzeugung an. Die frisch geschälte Frucht enthält zwei Bohnen, die von einer süßen Schicht ummantelt sind. Schmeckt fast wie Litschi. Es gibt vier Ernten im Jahr, die überwiegend von Saisonarbeitern bewältigt werden. Ein Kilo Kaffee bringt dem Arbeiter 300 Pesos ein. 2300 Pesos entsprechen derzeit einem Euro. Ein mühsames Geschäft denkt man sich, aber bis zu 50 Euro Tagesverdienst sind sehr attraktiv und locken viele helfende Hände an.
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Freitag, 27. August 2010 von
Tobias
Die Focker 100 rollt immer schneller, hebt die Nase, ist mit einem Satz in der Luft und dreht auf Kurs in Richtung Pereira. Wir lassen Bogota hinter uns und freuen uns auf El triangulo del Cafe – das Kaffeedreieck von Kolumbien. Die Luft ist hier spürbar sauberer, das Gras grüner und die Landschaft bergiger. Tonys Reiseorganisation läuft geschmeidig wie ein Uhrwerk. Kaum angekommen sitzen wir schon wieder in einem Kleinbus und fahren Richtung Osten nach Santa Rosa de Cabal zu den Thermalquellen. Ich hatte einen einfachen Pool vor Augen, fand mich dann aber unter einem wunderschönen gewaltigen Wasserfall wieder, der für sich genommen bereits einen Abstecher wert ist.
Das heiße Wasser der Thermalquellen wird an anderer Stelle aufgefangen und in Pools am Fuße des Wasserfalls umgeleitet. Hier könnte man Tage zubringen. Wir sind wie so oft die einzigen ausländischen Touristen. Und auch hier gilt die Regel: der Kolumbianer verwandelt sich erst zum Wochenende in einen Urlauber, unter der Woche hat man die meisten Attraktionen fast für sich alleine. Im Don Pascal (Santa Rosa de Cabal) genießen wir in gediegener Loungeathmosphäre hervorragenden Kaffee, bevor wir uns auf den Weg zu unserer Unterkunft für die nächsten drei Nächte machen.
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Mittwoch, 25. August 2010 von
Tobias
Ich hab keine Ahnung welcher Tag heute ist. Seit Stunden schon tönt Salza und kolumbianische Schnulzen aus dem Radio. Unser Fahrer fährt auf der kurvigen und holprigen Autopista Norte in Richtung Bogota. Man kann nicht sagen, dass er langsam fährt. Selbst ein Polizeiwagen mit Blaulicht wird von uns überholt. Es wird viel gebaut. Alle paar Kilometer eine Baustelle. Bagger graben ihre Schaufeln tief in die rot blutende Erde. Wir kommen von Villa de Leyva, einem alten Dorf. Einst erbaut von den Spanischen Kolonialisten, ist es bis heute ein beliebtes Wochenendausflugsziel der Bogotaner.
An langen Wochenenden herrscht in Kolumbien kein Mangel. Insgesamt 15 Feiertage hat man. Alle sind auf einen Montag gelegt. Die Tourismusbranche orientiert sich auch eher an den inländischen Touristen, Ausländer sieht man kaum. Vielleicht ändert sich das noch, wenn wir uns der Karibikregion nähern. Nur wenig erinnert daran, dass sich das Land im Krieg gegen die verbliebenen paar tausend FARC-Rebellen befindet. Bisher gab es keine Spur von Gefahr. An allen großen Kreuzungen und Straßen stehen Polizisten und Soldaten und heben zum Gruß den Daumen. Soll signalisieren, ich passe hier für dich auf und sorge für deine Sicherheit. Ein lustiges Bild. Die Autoinsassen grüßen brav mit erhobenem Daumen zurück. Einst hatte der berüchtigte Drogenbaron Pablo Escobar auf jeden Kopf eines Uniformierten eine Belohnung von einer Million Pesos ausgelobt. Ein Polizist in zivil war sogar fünf Millionen wert. Man wollte nicht tauschen.
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